In Europa gibt es mittlerweile Branchen, wo man schon von „Desindustrialisierung“ spricht und wo z. B. die chinesische Konkurrenz die Nase vorn hat, etwa die riesige Automotive-Branche (2022: 3.1 Mio. Beschäftigte in Deutschland inkl. Zulieferer).
Gerade in solchen Branchen kommt die Leitung nicht darum herum, auch harte und unangenehme Entscheide zu fällen.
Seit vielen Jahren wird gefordert, gute Führung müsse sinnhaft, partizipativ und wertschätzend sein. So weit so gut… Viele erleben aber eine andere Realität und sind direkt oder indirekt betroffen von wiederkehrenden Reorganisationen, Kostensparprogrammen und Personalabbau.
Das humanistische Ideal und die Business-Realität scheinen immer stärker auseinanderzuklaffen. Man befindet sich einem Spannungsfeld zwischen der Verantwortung für eine zeitgemäße Führungskultur und der Verantwortung für die Existenzsicherung bzw. Erreichung der betriebswirtschaftlichen Ziele.
In der Krise kommt es häufig zu einer Entfremdung zwischen Entscheidern und den direkt / indirekt Betroffenen. Um dies zu entschärfen, muss man sich um Resonanz bemühen.
Resonanz bedeutet nicht Einverständnis! Es geht darum, miteinander in Beziehung zu kommen bzw. zu bleiben: ehrlich, respektvoll und dem Konflikt nicht ausweichend. Ganz nach dem Motto „In der Krise zeigt sich der wahre Charakter!“.
Nicht zufällig spricht man von „FührungsverANTWORTung“, denn Führung ist eine Antwort-Beziehung und das ist mehr als ein reines Echo, es braucht Resonanz.
Meetings, Gespräche und Workshops sollten dazu genutzt werden, ehrlich und offen die Krise anzusprechen und nachvollziehbar zu machen, warum und wie entschieden werden muss. Fragen und Ideen sollten unbedingt aufgenommen werden.
Grossveranstaltungen mit Informationen und Fragen zum Schluss reichen bei weitem nicht aus. Es braucht spezielle Meetings mit kleineren Gruppen, wo ein echter Dialog mit Empathie, Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit stattfindet und man auch kritische Beiträge diskutiert.
Dann entsteht auch mehr Verständnis dafür, dass in Krisenzeiten mehr top-down entschieden werden muss und dies im besten Wissen in bester Absicht geschieht. Und dann auch wieder gemeinsam reflektiert werden kann, um daraus zu lernen.